Prinzipiell...

...schreiben wir unsere Artikel von nun an im Singular, also ich statt uns. Dies soll ausschließlich die Lesbarkeit erhöhen.
...ist einmal die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, auf dieser Welt, die so voller Leid, Ungerechtigkeit, Heuchelei, Brutalität und ganz normaler Enttäuschung ist, zu bleiben. Für Camus ist dies die zentrale Frage aller Philosophie, und ich kann ihm darin nur Recht geben. Die Grundfrage, der sicher jeder wirklich denkende Mensch stellen muss, ist: Warum nicht alles abkürzen und Selbstmord?
Nun. Ab hier wird es natürlich ideologisch, mancher Geist mag sich nun von dem meinem scheiden. Dennoch:
Man kann das Leben auf Gott zurückführend als Geschenk betrachten und mit "Ein Geschenk darf man nicht zurück geben." diese Frage abhaken.
Doch nicht nur für atheistische Menschen wie mich ist diese Antwort sehr unbefriedigend. Warum soll ich diese Pandorabüchse nicht zurückgeben dürfen? Weil ich damit in den Stand der schweren Sünde gehe? Nun, es mag an meiner jugendlichen Ungestümtheit liegen, dass mich dieses "Argument" eher peripher tangiert. Ebenso jenes, es wäre ein Versagen, das Leben nicht bis zum Ende zu leben. Wenn es nur daran liegt, am Leben zu bleiben, dann pfeif ich drauf. Wenn Gott glaubt, er kann mir was diktieren, dann soll er zuerst einmal seine Moralvorstellungen umsetzen. Entweder der Kerl hat nichts drauf oder hat eine entschieden andere Vorstellung von "Gut" und "Böse"(wir kommen noch darauf zurück!)als ich. Dann erklär ich ihm hiermit offiziell den Krieg! Wer jemandem das Leben aufoktroyiert, mit epidermis bullosa geboren zu werden, der kann es mit den Menschen nicht zu gut meinen.
Um diese Frage gleich aufzugreifen: Ja, es ist auch die gute alte Theodizeefrage, warum ich nicht an Gott glaube, ja, diesem Gebilde vollmundig den fiktiven Krieg erkläre. Und weil ich es mit Petrus halte, halte ich auch nichts davon, "dümmeren" Menschen die Illusion Gott zu kampflos zu überlassen, weil es ja ach so beruhigt. Der Kampf freilich, wird nur mit Worten gefochten. Letztlich hat jeder das Recht, zu irren wie er will(auch darauf kommen wir noch später zurück). Petrus hat übrigens gemeint, die Wahrheit mache frei.
Hier muss ich vorweg einstreuen, dass man mit mir durchaus was meine anderen Ansichten angeht, konform gehen kann, ohne meinen Atheismus zu teilen. Die Gottesfrage ist für mich weniger zentral als es jetzt erscheinen muss.
Zurück zur Ausgangsfrage. Warum kein Selbstmord?
Was würdet ihr in einem Land machen, in dem Lüge und blanker Egoismus, Mord und Totschlag, oft genug auch von so genannten Rechtsgemeinschaften gebilligt(nennt sich dann Krieg), Vergewaltigung und ähnliche grauenvolle Dinge an der Tagesordnung stehen?

10.1.07 16:11, kommentieren

Keimlegung

Dies ist die Hand, die den Samen über das Feld verteilt.

Mit weniger Pathos, aber nicht ohne Sendungsbewusstsein möchten wir diesen Blog schreiben. Vielleicht wird ihn nie jemand anderer lesen. Macht auch nichts. Wir schreiben hier einfach eine Onlineversion eines Notizbuches, und es ist keine neue Erkenntnis, wie sehr das Formulieren beim Denken hilft. Damit hilft es zumindest uns. Natürlich, wir sind Dilettanten, aber manches Mal fühlen wir uns als Blinde unter den Taubstummen. Darum möchten wir hier unsere Gedanken in den flüchtigen Sand des Onlinemeeres schreiben.
Marcel Proust hat einmal, sinngemäß wiedergegeben, festgestellt, unsere endgültigen Gedanken seien Resultat unseres unsteten Geistes. Nach dieser, wie wir meinen, weisen Erkenntnis bitte wir eventuell auftretende Meinungsänderungen zur Kenntnis zu nehmen.
Weiter oben war vom Sendungsbewusstsein die Rede. Auf dieses ist natürlich auch der Name dieses Blogs bezogen. Nichts würde uns mit mehr Freude erfüllen, als das Wissen um andere Individuen, deren Gedankengänge von den unseren beeinflusst, ja vielleicht sogar bereichert werden. Da wir aber aus ebenfalls schon oben genannten Gründen absolut kein oberlehrerhaftes Dozieren vorhabe, ja, uns dazu nicht im Stande fühlen, können manche zukunftsschwangere Gedanken, die wir mehr oder weniger bewusst vielleicht einmal in jemandem fördern, als unsere weiteren Guerilleros angesehen werden. Dies ist natürlich ein Stück egozentrisch, wobei das Ego unsere gemeinsame Meinung ist.
Doch ein Guerillero braucht eine Gesinnung. Diese hier in wenigen Worten ist aus vielen Gründen nicht möglich. Die zwei wichtigsten sollen nicht unerwähnt bleiben, auch weil sie gewissermaßen einen roten Faden durch diesen Blog bieten sollen:
Erstens können es nicht, weil wir uns teilweise nicht ganz im klaren sind, wie unsere Haltung formuliert werden soll, und zweitens wäre damit der Blog am Ende. Er soll nämlich nichts anderes als ausgehend von unseren Durchschnittsleben einer neuen, erfrischenden Haltung zu den Fragen dieses Lebens als Hebamme dienen.
Zum Abschluss dieses ersten Eintrags sei noch unsere Freude an Formulierungen und Metaphern erwähnt, die dem findigen Leser bestimmt schon aufgefallen ist und die man uns, sofern sie als unangenehm empfunden werden, verzeihen möge.

9.1.07 16:56, kommentieren